Der Radfahrerverein Inheiden wurde 1911 gegründet und ist der älteste sporttreibende Verein Inheidens.

Anfangs bestand die Vereinstätigkeit aus Wanderfahrten und einige Zeit später wurde auch das Korso fahren angeboten. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die Vereinsarbeit 1914 zunächst ausgesetzt, kurz nach dem Krieg aber wieder aufgenommen. Anfang der 20er Jahre gehörte der Radfahrerverein „All-Heil“ dem „Oberhessischen Radfahrerbund“ an. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges lies 1939 erneut jegliche Vereinsarbeit erlöschen.

Am 12.06.1952 wurde der Radfahrerverein Neugegründet. Nach der Neugründung beteiligte sich der Verein zunächst an einigen Festumzügen und richtete Wanderfahrten in die nähere und weitere Umgebung Inheidens aus. Die erste Saalmaschine (heute Kunstrad) wurde 1953 angeschafft und damit hielt der Saalradsport beim RV Inheiden Einzug. 1958 wurde der erste Damenreigen gegründet, im gleichen Jahr ist der RVI dem Landessportbund sowie dem Bund Deutscher Radfahrer beigetreten. Im Jahr 1959 konnte der Verein mit dem Radball einen weiteren Saalradsport anbieten, der bei den Vereinsjugendlichen ebenfalls großen Zuspruch fand. Neben den Saalsportarten sowie Straßenrennen, Geschicklichkeits- und Langsam-Fahren bot der Verein Anfang der 60er Jahren zunächst auch noch eine Mopedgruppe an.

Aber auch gesellige und kulturelle Veranstaltungen bietet der RVI seit vielen Jahren an. Anfangs gehörten bspw. Theaterstücke zum Winterprogramm. Aber auch Familienabende und Maskenbälle veranstaltet man seit Anfang der 60er Jahre mit dem Gesangverein „Eintracht“ und dem Sportverein „Germania“ zusammen.

Als eine weitere noch heute bestehende Sparte des RV Inheiden wurde 1971 das Frauenturnen ins Leben gerufen.
Über die Jahre haben sich beim Radfahrerverein die Sparten Kunstradfahren, Radwandern und die Fitnessabteilung etabliert. Die Sparte Radball wurde trotz einiger Erfolge in den zurückliegenden Jahren mangels Sportlern im Jahr 1980 vorläufig eingestellt. Auch die übrigen vormals gegründeten Sparten konnten mangels Interesse und Sportlern über die Jahre nicht weiter betrieben werden.
Außerhalb der sportlichen Aktivitäten richtet der RV Inheiden in Zusammenarbeit mit dem Gesangverein und dem Sportverein Inheiden noch heute den jährlichen Inheidener Dorffasching „Woas e Oarmut“ sowie das Inheidener Seefest aus.

Festschrift vom 75 jährigen Jubiläum



Im ersten Jahrzehnt nach 1900 fanden auch einige junge Männer unseres Dorfes immer mehr Gefallen an gemeinschaftlichen Wanderfahrten auf dem Fahrrad. Nachdem einige begeisterte Inheidener Radsportler (Stefan Kuhn, Ludwig Reitz und Ludwig Wolf) bereits Mitglieder des damaligen Radfahrervereins in Trais-Horloff geworden waren, gründete man im Frühjahr 1911 in der Gastwirtschaft Kuhl den Radfahrerverein All-Heil Inheiden. Zum 1. Vorsitzenden wurde Wilhelm Gerhardt I. gewählt, der aber bereits nach einem Jahr von Julius Katz abgelöst wurde. Julius Katz führte den Verein dann bis ins Jahr 1933. Haupttätigkeiten des jungen Vereins waren zunächst gesellige Wanderfahrten, später auch Korsofahren. Erste Feste, die von Mitgliedern des Vereins mitgestaltet wurden, waren 1913 ein Fest in Trais-Horloff und 1914 eine Bannerweihe des Hungener Radfahrervereins.

Im Winter beschränkte sich das Vereinsleben in damaliger Zeit auf gesellige Veranstaltungen. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 setzte der Arbeit des Radfahrervereins ein rasches Ende. Insgesamt 7 Mitglieder fielen bzw. starben in diesem Krieg. Eine ihnen zu Ehren im Jahre 1921/22 angefertigte Gedenktafel fand ihren Platz zunächst an der Friedhofsmauer, später am Ehrenmal. Heute erinnert uns eine schlichte Gedenktafel an der Seitenwand unserer Friedhofskapelle an diese Kriegsopfer und an den langjährigen Vorsitzenden Julius Katz. Besonders auf die Initiative dieses Mannes ist es zurückzuführen, dass schon bald nach dem Krieg die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen wurde. Ihm ist es zu verdanken, dass der Verein in dieser Zeit in hoher Blüte stand, half er doch seinen Radfahrern, wo er konnte. Sei es, dass er die Räder für einen Festbesuch in seiner Werkstatt kostenlos in Ordnung brachte, sei es, das er sich nach manchem erfolgreichen Festbesuch beim anschließenden Umtrunk sehr spendabel zeigte. Julius Katz hat sicher ein Stück Vereinsgeschichte geschrieben.

Anfang der 20er Jahre gehörte der Radfahrerverein „All-Heil“ dem „Oberhessischen Radfahrerbund an und besuchte die Veranstaltungen und Feste der ihm angeschlossenen Vereine. Auf Anregung von Julius Katz und Friedrich Wilhelm wurde im Jahre 1922 ein Vereinsbanner angeschafft.
Die Inschrift lautet:
„Treu allzeit dem Sport geweiht“.

Die Kosten in Höhe von Immerhin etwa 4.000,00 Mk wurden durch freiwillige Spenden aufgebracht. Dieser Preis deutet bereits auf die beginnende Zeit der Geldentwertung hin.

Ganz im Zeichen der Inflation stand das im Jahre 1923 durchgeführte Bundesfest, bei dem an zwei Tagen die stolze Summe von 2 Millionen Mark umgesetzt wurde. Dies ist kein Wunder, wenn man hört, dass der Wirt Georg Kühl den Preis für ein Glas Bier von 800,00 Mk am Sonntag auf 1.000,00 Mk am Montag anheben musste.

Gerne erinnerten sich da die Mitglieder an die Gründerzeit des Vereins in der man ein 37-Liter Fässchen Bier noch für 9,99 Mk bekam. Man sieht daran, dass die „gute alte Zeit“ halt schon immer ein wenig weiter zurück lag.

Bis zu 40 Mitglieder waren in den 20er Jahren aktiv. In den inzwischen angeschafften Korsoanzügen konnte man damals viele Ehrenpreise erringen. Im Korsolangfahren waren Ludwig Kuhl und Richard Kuhl besonders erfolgreich. Gar als Rennfahrer betätigten sich Heinrich Arnold, Friedrich Leidner, Ernst Weber und Hugo Junker.

Da es keine Liste über die Vereinsgründer aus dem Jahre 1911 mehr gibt, sei hier eine Mitgliederliste aus dem Jahre 1926 aufgeführt:

Mitgliederliste des Radfahrervereins „All-Heil“ Inheiden
aus dem Jahre 1926:
1. Vorsitzender: Julius Katz
Rechner: Karl Schmidt
Schriftführer: Rudolf Reitz
Kassierer: Heinrich Fink

Bornmann Otto Kuhl Emil Seibert Otto
Dietz Adolf Kuhl Ernst Stellwag Heinrich
Euler Otto Kuhl Otto Sonntag Adolf
Fink Heinrich Kuhl Richard Sonntag Wilhelm
Fink Wilhelm Leidner Fritz Ulrich Wilhelm
Hofmann Ludwig Metzger Heinrich Weber Ernst
Jakob Richard Perschbacher Wilhelm Weber Rudolf
Jakob Rudolf Raab Karl Weber Hugo
Junker Hugo Rühl Adolf Weil Heinrich
Junker Otto Rupp Albert Weil Fritz
Kaiser Rudolf Rupp Karl Weil Wilhelm
Kraft Hermann Rupp III. Otto Wilhelm Friedrich
Kuhl Adolf Schwarz Rudolf Zimmer Robert

Die beginnende Geldknappheit Ende der zwanziger Jahre wirkte sich dann sehr ungünstig auf die sportlichen Aktivitäten aus. Trotzdem tat man, was man konnte, um das Vereinsleben zu aktivieren. So veranstaltete man anlässlich der Familienabende im Winter regelmäßig Theateraufführungen. Auch der allererste Maskenball, der in Inheiden stattfand, wurde vom Radfahrerverein im Jahre 1929 im damaligen Saale Junker veranstaltet.

Anfang der 30er Jahre beschloss man, bedingt durch die herrschende Geldknappheit infolge der vielen Arbeitslosen, zunächst einmal alle Vereinsaktivitäten ruhen zu lassen, um auf bessere Zeiten zu warten. Wenig später beschloss eine Vollversammlung dann gar, das Vereinsvermögen gleichmäßig auf die Mitglieder aufzuteilen. Nur das Vereinsbanner wurde vom späteren 2. Vorsitzenden Otto Seibert in Verwahrung genommen, um es dem Verein für bessere Zeiten zu erhalten.

Der Ausbruch des 2- Weltkrieges im Jahre 1939 ließ dann sowieso jegliche Vereinstätigkeit erlöschen.

Infolge der Kriegswirren und des nachfolgenden allgemeinen Zusammenbruchs gingen unzählige Erinnerungsstücke und schriftliche Aufzeichnungen aus dem Vereinsleben auch dem Radfahrerverein verloren.

Umso mehr gebührt den Männern Hochachtung, die nach diesem allgemeinen Chaos den Mut und die Initiative aufbrachten, den Radfahrerverein “All-Heil“ lnheiden wieder aus seinem langjährigen Schlaf zu erwecken. Mit ausschlaggebend dafür war wohl auch, dass das alte wertvolle Banner als einziges Stück Vereinsgut von Otto Seibert über den Krieg gerettet worden war. Ihm war es unter erheblichen Schwierigkeiten sogar gelungen, dieses begehrte Stück bei einer der üblichen Hausdurchsuchungen durch amerikanische Besatzungssoldaten zu verbergen.

Nachdem bereits Im Januar 1952 der Radfahrerbund Oberhessen (RBO) seine Tätigkeit wieder aufgenommen hatte, kam es an, 12. Juni 1952 in der Gastwirtschaft Kuhl zu einer Versammlung, zu der alle ehemaligen Mitglieder sowie neue Interessenten eingeladen waren.

Folgende 8 Männer waren der Einladung gefolgt:

Otto Seibert Friedrich Wilhelm
Heinrich Fink Heinrich Reuling
Robert Zimmer Walter Geißler
Ernst Kuhl Kurt Seibert

Diese acht Männer bildeten dann in der Folgezeit als Neu-Gründer den Stamm, auf dem sich der Verein neu aufbaute. Noch im gleichen Jahr hatte der junge, alte Verein einen regen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen.

Die ersten Vorstandswahlen nach dem Krieg brachten dann folgendes Bild:

1. Vorsitzender: Heinrich Fink
2. Vorsitzender: Otto Seibert
Schriftführer und Rechner: Friedrich Wilhelm
Beisitzer: Ernst Kuhl
Fahrwart: Walter Geißler
Bannerfahrer: Kurt Seibert

Der erste Auftritt nach der Neugründung war bereits im Juli 1952, als man half den Festzug des Gesangvereins „Eintracht“ Inheiden zu verschönern. Wenig später, am 30. August, fuhren schon 27 Aktive im Bundeskorso-Fahren in Hungen mit.

In der Folgezeit waren besondere Höhepunkte im Vereinsleben die alljährlich durchgeführten Wanderfahrten, die die Mitglieder in die nähere und weitere Umgebung unseres Heimatdorfes führten. Bereits über 100 km wurden damals am Tag zurückgelegt.

Schon von weitem war die Inheidener Gruppe am laut tönenden Signalhorn zu hören, dass Otto Seibert in einem alten Versteck bei Hugo Junker entdeckt hatte und das nun selbstverständlich immer mitgeführt wurde.

Die zunehmende Motorisierung in damaliger Zeit war der Grund, dass man nun häufiger von der viel befahrenen Landstraße in den Saal auswich und sich nun dem Saalradsport immer intensiver widmete.

Die erste Saalmaschine für das Kunstradfahren wurde im Jahre 1953 erworben. Erster öffentlicher Auftritt für die Kunstfahrer war der 20. Februar 1954, als man erfolgreich mithalf, das Programm des Vereins-Familienabends zu gestalten. Sechs weitere, allerdings gebrauchte Saalmaschinen, bildeten noch im selben Jahr den Grundstock für das Reigenfahren. Im Jahre 1958 wurde ein Damenreigen gegründet, dem weitere sechs Görike-Saalmaschinen zur Verfügung gestellt wurden. Ein langgehegter Wunsch der Vereinsjugendlichen ging im Jahre 1959 in Erfüllung, als der Verein mit Hilfe eines kurzfristigen Darlehens der Gemeinde sechs nagelneue Radballmaschinen erwerben konnte.

Die Früchte dieser Investition und des eigenen Trainingsfleißes konnten dann im Jahre 1960 die beiden jungen Radballer Volker Lehmann und Max Riedl ernten, die es immerhin zum Jugendbezirksmeister brachten.

Auf Vereinsebene hatte sich inzwischen der Radfahrerbund Oberhessen aufgelöst. Der Radfahrerverein zog die Konsequenz daraus und trat 1958 dem Landes-Sportbund und dem Bund Deutscher Radfahrer bei.

Auf Anregung des Bundes Deutscher Radfahrer wurde dem Verein, immer im Zeichen der weiter fortschreitenden Motorisierung, 1959 eine Mopedgruppe angeschlossen, die noch im gleichen Jahr schöne Erfolge verbuchen konnte. Daran beteiligt waren Kurt Crone, Eckard Geißler, Gerhard Leider, Edmund Münch, Willi Papst und Hans-Jürgen Vogt. Recht erfolgreich war die Mopedgruppe auch im Jahr 1960. Heinrich Fink, Edmund Münch, Herbert Rupp, Willi Papst, Helmut Sonntag und Eugen Zinsheimer hießen hier die erfolgreichen Fahrer.

Neben der sportlichen Seite wurde selbstverständlich auch weiter die gesellige und kulturelle Seite gepflegt. So gehörten Theaterstücke nach wie vor zum Winterprogramm. Familienabende und Maskenbälle wurden jetzt häufig mit dem Gesangverein „Eintracht“ und dem Sportverein „Germania“ zusammen veranstaltet.

Besonderen Zuspruch fanden zwei im Jahre 1959 und 1960 im Garten der Gastwirtschaft „Zum Hindenburg“ abgehaltene Sommernachtsfeste.

Das Jahr 1961 ging als ein ganz besonderes Jahr in die Vereinsgeschichte ein, hatte man doch allen Grund voller Stolz auf eine 50jährige Vereinsgeschichte zurückzublicken. Natürlich nahm man dieses stolze Ereignis zum Anlass, um mit dem ganzen Dorf und mit vielen befreundeten Vereinen aus der näheren und weiteren Umgebung ein großes Fest zu feiern.

Am 15., 16. und 17. Juli 1961 stand Inheiden ganz im Zeichen seiner Radfahrer, seines Jubiläumsvereins „All-Heil“ 1911. Festpräsident Heinrich Fink und seine Mannschaft vom Festpräsidium hatten eine Menge Arbeit der Organisation und Vorbereitung hinter sich gebracht, ehe das Fest mit einer Totenehrung mit Weihe des neuen Gedenksteins auf den, Friedhof beginnen konnte.

Besonderes Pech hatte man mit dem großen Festzelt, das bereits am 12. Juli fertig auf dem heutigen Sportplatz aufgebaut war. Am Abend des gleichen Tages riss aber ein plötzlich aufkommender orkanartiger Sturm sämtliche Planen und einige Zeltstangen weg. Die mühevolle Aufbauarbeit war also umsonst gewesen, und man musste sich dranhalten, das Zelt wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Bis Zum Samstagnachmittag waren viele fleißige Helfer tätig, und als dann die ersten Besucher zum Festkommers erschienen, war von den Sturmschäden nichts mehr zu sehen.

Bemerkenswert ist für mich, dass eine Dauerkarte für dieses dreitägige Fest für ganze DM 3,00 zu erwerben war. Beim Festkommers im Festzelt wurde den Besuchern ein buntes Programm geboten, an dem sich auch andere Inheidener Ortsvereine beteiligten. Der Gesangverein „Eintracht“ Inheiden bot zwei Chöre, und die Tanzgruppe des Sportvereins „Germania“ und des Gesangvereins hatte ebenfalls zwei Auftritte. Sportliche Leckerbissen bot an diesen, Abend der Einer-Kunstfahrer Hartmut Umsonst aus Coelbe und die Rhönrad-Truppe von der TSG Schwarz-Gelb Gießen. Natürlich war such der Gastgeber mit seinem 4er Damenreigen am Programm beteiligt.

Am Sonntag war der Jubiläumsverein sogar Ausrichter der Hessenmeisterschaft im Geschicklichkeitsfahren für Mopeds und Motorräder. Am Nachmittag zog dann ein großer Festzug durch die prachtvoll geschmückten Straßen unseres Dorfes. Mit einem Volksfest und Tanz klang das harmonisch verlaufende Radfahrerfest dann am Montag aus.

Wie schon oben erwähnt konnte ich die Ereignisse und Daten bis zu diesem Jubiläum im Jahre 1911 aus der damaligen Festschrift entnehmen. Für die Zeit von 1961 bis heute dienten mir als Quelle die Protokollbücher über in diesen Jahren abgehaltene Vorstandssitzungen und Jahreshauptversammlungen.

25 Jahre sind seit diesem Jubiläum ins Land gegangen. 25 Jahre, in denen sich naturgemäß eine Menge ereignet hat, auch in unserem kleinen Dorf am Rande der Wetterau, wenn man überhaupt noch von Dorf sprechen will. Inheiden ist ja inzwischen im Zuge einer großen Gebietsreform längst zum Stadtteil der Stadt Hungen geworden. Schreibt unser ehemaliger Bürgermeister Richard Reitz in seinem Grußwort in der Festschrift von 1961 noch, dass „technische und moralische Entwicklungsstufen der Menschheit in den letzten 50 Jahren Bocksprünge gemacht haben“, wie viel mehr technischer Fortschritt muss man dann erst in den letzter‘ 25 Jahren sehen.

Je mehr technischer Fortschritt aber das Leben der Menschheit erleichtert, desto mehr Aufgaben erwachsen den Vereinen als den Trägern der sportlichen und kulturellen Ideen. Die Vereine müssen mehr denn je den Menschen Angebote machen, sich in ihrer immer größer werdenden Freizeit sinnvoll zu betätigen. Darüber hinaus fällt den dörflichen Vereinen gerade im Rahmen der Großgemeinde der aus 12 Stadtteilen bestehenden Stadt die wichtige Aufgabe zu, das Eigenständige des Dorfes, das im wahrsten Sinne des Wortes Dörfliche des Ortes zu erhalten, das Charakteristische Inheidens zu bewahren.

Auch und gerade das Fahrrad als ein Sportgerät des Radfahrervereins hat in den letzten Jahrzehnten eine unterschiedliche Entwicklung durchgemacht. War es noch unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg in der Zeit des Zusammenbruchs das sicher am meisten verbreitete und häufig auch einzige Verkehrsmittel, dessen sich die Menschen bedienen konnten, so kam denn mit zunehmender Technisierung und Motorisierung eine Zeit, in der das gute alte Fahrrad oft in der hintersten Ecke der Garage vor sich hin rostete. Dem „Götzen“ Auto galt alle Liebe und alles Ansehen. Erst ab den 70er Jahren kehrte sich diese Entwicklung immer mehr ins Gegenteil um. Angesichts total verstopfter Straßen und von Auspuffgasen verpesteter Luft besann sich der Mensch wieder des Fahrrads als einem zweckmäßigen und vor allem gesunden Fortbewegungsmittel. Das im Kofferraum verstaute Klapprad mag als ein Symbol für diese Entwicklung gelten. Auch in neuerer Zeit ist es wieder schick und “in“ Fahrrad zu fahren.

Die Industrie tut natürlich ein Übriges, um diesem Fahrradboom gerecht zu werden. Alu-Leichtlaufräder mit moderner Kettenschaltung oder BMX-Räder für Kinder und Jugendliche sind nur zwei Beispiele für moderne Entwicklungen im Fahrradbau.

Auch hier bietet sich also einem Radfahrerverein ein reiches Betätigungsfeld an, diese verschiedenen Richtungen in sein Vereinsprogramm aufzunehmen. Im Folgenden werde ich nun die wichtigsten Ereignisse im Radfahrerverein „All-Heil“ von 1911 bis jetzt zusammenstellen.

Auch nach dem Jubiläumsfest von 1961 gingen die sportlichen Aktivitäten im Verein natürlich in den Sparten Saalsport (Kunst- und Reigenfahren, Radball), Straßensport (Straßenrennen, Geschicklichkeits- und Langsamfahren) und Motorsport weiter.

Um einmal einen genaueren Einblick in den Sportbetrieb von damals zu geben, zitiere ich nun einen Bericht des Gießener Anzeigers über die Vereinswettkämpfe 1963:

„Eine Hochburg des heimischen Radsports“

Radfahrerverein „All-Heil“ Inheiden erhielt neue Saalsportmaschinen

Inheiden (dr). Spat keim er, doch er kam, Landrat Dr. Maraun, um den Radfahrerverein „AH-Heil“ Inheiden lobende Anerkennung für die geleistete Vereinsarbeit auszusprechen. Der Radsport im Landkreis Gießen finde vollste Zustimmung und jedmögliche Unterstützung, die er im Sportgeschehen verdiene, sagt der Landrat. Nachträglich gratulierte er dem Verein zu seinem Jubiläum. Inheiden sei eine Hochburg des Radsportes im Kreis Gießen. Er werde auch weiterhin alles tun, um den Sportbetrieb zu fördern und zu unterstützen. Dass der Verein mitten im Leben der Gemeinde stehe, beweise die Veranstaltung, zu der sich in dem vollbesetzten Saal Raab viele Freunde des Vereins eingefunden hatten.

In seiner Ansprache sagte der 1. Ehrenvorsitzende Heinrich Fink, dass man das Gute mit dem Nützlichen verbinden wolle. Deshalb habe man sich zu sportlichen Darbietungen und geselligem Beisammensein eingefunden. Die Jugend des Vereins solle durch ihre Vorführungen zeigen, dass sie nicht schläft. Sie sei bei weitem nicht so schlecht, sagte Fink, wie sie oft hingestellt werde. Erstmals soll im nächsten Jahr ein Wanderpokal gestiftet werden, um die Vereinsmeisterschaften die bereits im Frühjahr durchgeführt werden, noch attraktiver zu gestalten. Der Sportbetrieb soll durch die sechs neuen Hallensportmaschinen weiter intensiviert werden. Die vier Radballräder und zwei Kunsträder wurden aus Mitteln des Landes-Sportbundes, der Sportdepudation des Landkreises und vom Verein selbst aufgebracht. Am Samstagabend wurden die Räder offiziell Ihrer Bestimmung übergeben und bestanden ihre Feuerprobe. Annemarie Rupp und Marianne Tippmann zeigten auf den Kunsträdern ihre Übungen. Im ersten Radballspiel standen sich die beiden Schülermannschaften mit Karl-Heinz Weber / Wolfgang Steuernagel und Burkhard Euler / Gerhard Seibert gegenüber. 0:3 endete diese Begegnung.

Vereinsvorsitzender Edmund Münch und Ehrenvorsitzender Fink nahmen die Siegerehrung der diesjährigen Vereinsmeisterschaft vor. Die Wettkämpfe hatten aus einem Geschicklichkeitsfahren mit einem ausgesteckten Slalom für Tourenräder, einem Rundstreckenrennen über Feldwege und einem Langsamfahren über 100 m bestanden. Von 100 möglichen Punkten erreichte in der Gruppe A bei der älteren Jugend Ludwig Döffinger 97,63. Er wurde damit Vereinsmeister vor Ernst Junker und Harry Zidek. In der Gruppe B für Anfänger platzierte sich Gerd Hensel vor Achim Münch und Raimund Schröder. Bei den Schülern A lag Gerd Weber vor Burkhard Euler und Gerhard Seibert. Bei den Schülern B siegte Karl-Heinz Weber vor Jochen Seibert und Eckhard Schöck. In der Motorsportgruppe, die ein schwieriges Geschicklichkeitsfahren zu absolvieren hatte, kam Wilhelm Löffler ohne Fehlerpunkte über den Parcours und wurde Vereinsmeister vor Wilhelm Rieger und Kurt Crone. Marianne Tippmann platzierte sich bei den Mädchen knapp vor Sieglinde Rupp. Als jüngster Teilnehmer (Schüler unter zehn Jahren) holte sich Rainer Hirmer einen Sieg. Wie alle übrigen Teilnehmer wurde auch er mit freudigem Beifall bedacht.

Neben den sportlichen Leistungen kam natürlich auch die Geselligkeit im Verein nicht zu kurz. So waren es immer wieder die jährlichen Maskenbälle der Radfahrer, die für Stimmung sorgten. Heute kaum noch vorstellbar, dass für diese Veranstaltungen wegen der großen Nachfrage sogar zwei Vorverkaufsstellen eingerichtet waren (Bäckerei Ernst Junker und Friseursalon Franz Steidl).

Wenn auch inzwischen die Gastwirtschaft Kuhl zum Vereinslokal der Radfahrer bestimmt wer, so fanden diese großen Veranstaltungen alle im wesentlich größeren Saal Raab statt, wo sich heute das Wohnhaus von Karl-Heinz Raab befindet. Vor den eigentlichen Veranstaltungen, die meist im Winterhalbjahr stattfanden, musste auch auf einer damals noch bei Privatpersonen abgehaltenen Vorstandssitzung abgeklärt werden, wer für die Saalheizung zuständig war. Die „Heizungsleute“ hatten bei der Veranstaltung die Verantwortung dafür, dass die beiden Öfen nicht zu früh ausgingen. Aus Sicherheitsgründen musste sogar noch ein Feuerwehrmann zur Überwachung aufgeboten werden. Selbstverständlicher Lohn für diese Arbeiten war in der Regel freier Eintritt.

Auch die Theateraufführungen, die vor mit großer Liebe und Sorgfalt selbstgestalteten Kulissen stattfanden und die jährlichen Familienabende fanden in der Inheidener Bevölkerung großen Anklang. Immer wieder boten Aktive des Vereins bei diesen Abenden einen Ausschnitt ihres Übungsprogramms.

So enthält das Programm des Familienabends aus dem Jahre 1965 zum Beispiel immerhin 17 Punkte.

1. Musik: Eröffnungsmarsch
2. Begrüßung des 1. Vorsitzenden
3. Vierer-Lampion-Reigen
4. Einer-Kunstfahren: Schüler, männlich
5..Radball: Schüler
6. Zweier-Kunstfahren: Jugend, weiblich
7. Einer-Kunstfahren: Jugend, männlich
8. Zweier- und Dreier-Balance: Trainer
9. Radball: Jugend
10. Einer-Kunstfahren: Jugend weiblich
11. Komischer Radakt: Trainer
12. Gemischter Radakt: Trainer
13. Ansprache des 1. Vorsitzenden
14. Radfahrerlied: „0. Mädel vom Lande…
15. Überreichung der Auszeichnungen von der Motorsportgruppe durch Fachwart W. Bender
16 Anschließend Tanz
17. Um 24 Uhr Gewinnverteilung der Tombola


Dieses umfangreiche Programm spiegelt zum einen die mannigfaltigen sportlichen Aktivitäten der damaligen Radsportler wieder, zum anderen ist es ein Indiz dafür, dass damals das Publikum noch bereit und willens war, den Aktiven bis zum Schluss Aufmerksamkeit zu zollen. Unterhaltung via Bildschirm steckte damals halt noch in den Kinderschuhen. Man war froh über jede Abwechslung, die die Vereine ins dörfliche Leben brachten.

Unter Programmpunkt 14. taucht hier ein Lied auf, das ich euch immer wieder in anderen Zusammenhängen in den Vereinsakten gefunden habe, das Radfahrerlied. Dieses Lied hat sich im Laufe der langen Geschichte des Vereins quasi zur Vereinshymne entwickelt, die bei besonderen Anlässen immer wieder gern zu Gehör gebracht wurde.

Hier der Wortlaut des Textes:

Radfahrerlied

1. Oh, Mädel vom Lande wie bist du so schön,
so hab ich im Städtchen noch keine geseh‘n,
drum so gehn wir aufs Lande um lustig zu sein,
umso schöner sein die Mädchen und Viel besser der Wein.
Die rallerala ria rallerala ria rallerala ria ho
usw.

2. Der Wein auf dem Lande hat Geist und hat Kraft,
im Städtchen dagegen wird Wasser drein gemacht,
drum so gehn wir aufs Lande …

3. Verliebt sich ein Mädchen, der Teufel ist los,
da hilft ja kein Riegel, keine Tür und kein Schloss,
drum so gehn wir aufs Lande …

4. Verschließt man die Türe, verschließt man das Haus,
so schleicht sich die Liebe zum Schlüsselloch hinaus,
drum so gehn wir aufs Lande …


Durch die Verpflichtung eines neuen Trainers für den Saalsport ging es in dieser Zeit auch mit den sportlichen Leistungen des Vereins immer mehr bergauf. Leopold Gitzel, der früher im Varieté aufgetreten war, hatte es von Nordhessen, aus beruflichen Gründen nach Inheiden verschlagen. Er übernahm sofort das Hallentraining und konnte eine ganze Menge seines eigenen Könnens an seine Schützlinge weitergeben. Unvergessen bis heute ist seine eigene Kreation eines Balance-Aktes unter dem Titel „7 Personen auf einem Rad“. Diese Nummer wurde auch später immer wieder vor staunendem Publikum gezeigt. Auch Frau Mimi Gitzel engagierte sich stark im Verein. Sie leitete eine Kinderturngruppe und war zeitweilig sogar im Vorstand als Schriftführerin tätig.

Mitte der 60er Jahre veranstaltete der Radfahrerverein seine mit wertvollen Pokalen, Plaketten und Medaillen dotierten Straßenrennen. So gingen die Aktiven im Jahre 1964 in 4 Gruppen an den Start:

Gruppe I: Rennfahrer - 20 Runden - ca. 30 km

Gruppe II: Jugend - Tourenräder (mit und ohne Schaltung) - 10 Runden - ca. 15 km

Gruppe III: Schüler - Tourenräder (mit und ohne Schaltung) - 5 Runden - ca. 7,5 km

Gruppe IV: Mädchen - Tourenräder (mit und ohne Schaltung) - 3 Runden - ca. 4,5 km


Folgender Streckenverlauf war für die Fahrerinnen und Fahrer zu bewältigen:

Start und Ziel: Genossenschaftshalle

Andreas-Breidert-Straße - Gartenstrasse - Beuneweg – Obergasse - Mittelgasse - Untergasse - Schlittenberg - Hintergasse - Mittelgasse - Holzbrückenweg.


Die Motorsportler übten dagegen weiter fleißig auf ihrem Übungsgelände am Schützenberg. Zum Unterstellen der wertvollen Maschinen hatte der Verein das Holzhäuschen der Familie Karpf im Mühlweg (heute OVAG-Straße) gepachtet. Stolz waren die Männer auf den motorisierten Zweirädern auf ihr Moto-Cross-Rennen 1966.

Im geselligen Bereich arbeiteten nun die drei großen lnheidener Ortsvereine Gesangverein 2Eintracht“, Sportverein „Germania“ und Radfahrerverein „All-Heil“ immer enger zusammen. Alle Veranstaltungen wurden in gemeinsamen Vorstandssitzungen aller drei Vereine miteinander abgestimmt. Die Last der Vorbereitung und Durchführung von arbeitsaufwendigen Veranstaltungen war so gleichmäßig verteilt. Eine Zusammenarbeit, die sich, wie ich glaube, bis heute bestens bewährt hat.

Dass Sitten und Gebräuche vor ca. 20 Jahren noch wesentlich strenger und härter als heute waren, entnahm ich einer Protokollnotiz über eine solche gemeinsame Vorstandssitzung. Es ging dabei um das Ausschmücken des Saales anlässlich eines Maskenballes. Jeder Verein hatte dafür 4 Männer abzustellen. Für jeden fehlenden Mann verpflichtete sich der entsprechende Verein zur Spende eines Kasten Bieres an die restlichen Helfer. Angenommen es waren größere Ausfälle des Aufbaupersonals zu verzeichnen, konnte so der verbleibende Rest seinen Ärger über die Mehrarbeit mit der entsprechenden Menge an Gerstensaft hinunterspülen.

Eine entscheidende Veränderung zumindest für die Saalradsportler trat leider am 1. Mai 1966 in Kraft. Der langjährige Übungsraum (Saal Raab) wurde vom Besitzer gekündigt. Später entstand daraus, wie schon erwähnt, ein Wohnhaus. Nun war guter Rat teuer. Man beschränkte sich zunächst auf einzelne Auftritte als Einlagen bei Veranstaltungen außerhalb der Ortsgrenzen. Doch waren sich die damaligen Verantwortlichen schnell darüber im Klaren, dass ohne regelmäßiges Training die Aktiven nicht lange bei der Stange zu halten waren. Und tatsächlich gelang es dem Vorstand seinen aktiven Sportlern mit der Volkshalle in Utphe wieder einen adäquaten Übungsraum anzubieten. Die nun anfallenden Fahrten zu den Trainingsabenden wurden im Vorstand organisiert und von den Mitgliedern in uneigennütziger Weise durchgeführt.

Dass regelmäßiges Training auch im Wettkampf Früchte trägt, bewiesen schon die Bezirksmeisterschaften 1966, bei denen Inheidener Radsportler gute Plätze belegten. Im Einer-Kunstfahren waren dies Bernd Glocker, Regina Ernst und Sieglinde Rupp, im Zweier-Kunstfahren Angela Raab und Sieglinde Rupp. Außerdem war man noch mit einem Sechser-Reigen (gemischt) vertreten.

Auch die geselligen Veranstaltungen musste man in dieser Zeit zwangsläufig nach Utphe verlegen, da in Inheiden weiter geeignete Räumlichkeiten fehlten Dieses Manko hatte die Gemeinde Inheiden unter ihrem damaligen Bürgermeister Karl-Heinz Witzel mit seiner vereinsfreundlich denkenden Gemeindevertretung schnell erkannt. Schon standen die Pläne für den Bau einer großen Mehrzweckhalle am südlichen Ortsrand in unmittelbarer Nachbarschaft von Schule und Sportgelände fest. Angesichts dieser Planungen und häufig auftretender Schwierigkeiten bei der Volkshallenbenutzung in Utphe (zu den abgesprochenen Trainingsterminen war die Halle öfter besetzt) entschloss sich der Vorstand des Radfahrervereins, das Training zunächst einmal ganz auszusetzen und die damit gesparte Miete für die Volkshallenbenutzung für den Bau der neuen Inheidener Mehrzweckhalle zur Verfügung zu stellen.

Am 20. September 1968 war es dann endlich soweit. Es war ein stolzer Tag in der Geschichte unseres Dörfchens. Endlich konnte die neue „Gut Stubb“ von Inheiden ihrer Bestimmung übergeben werden. Selbst der Ministerpräsident des Landes Hessen, Herr Albert Oßwald, hatte es sich nicht nehmen lassen, den Einweihungsfeierlichkeiten beizuwohnen. Eine Selbstverständlichkeit war es schon, dass auch der Radfahrerverein „All-Heil“ auch am bunten Eröffnungsprogramm beteiligte. Gezeigt wurden der Balance-Akt mit Untermann Gerd Weber, ein Einer-Kunstfahren von Bernd Glocker, ein Zweier-Kunstfahren von Regina Ernst und Bärbel Storck und ein Reigen. Auch die Radballer gaben damals eine Kostprobe ihres Könnens.

Die neue Halle selbst in den Maßen 14 x 28 m, versehen mit einer großen Bühne, mit einem Vereinsraum und zwei Scherenkegelbahnen wurde von der damals noch selbständigen Gemeinde Inheiden mit einem Kostenaufwand von ca. 1 Million Mark errichtet. Für ein Dorf, dessen Einwohnerzahl damals noch bei ca. 900 lag, ist dies wahrlich eine stolze Leistung. Und all die Männer, die damals für dieses Projekt verantwortlich waren. allen voran Bürgermeister Witzel, dürfen noch heute stolz auf ihr Werk sein.

Diese Halle hat sich bis zum heutigen Tag in jeder Hinsicht bewährt- Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht eine Veranstaltung dort abgehalten wird, von den Wochentagen ganz zu schweigen. Im Gegensatz zu manchem voreilig geplanten ähnlichen Projekt hat diese Halle ihren Sinn und Zweck voll erfüllt. Sie war nie ein totes Bauwerk, sondern von Anfang an bis heute mit Leben erfüllt.

Natürlich wurde diese Halle auch die neue Heimstatt des Radfahrervereins. Die Aktiven konnten an der Seitenwand einen Geräteraum beziehen und ihre Trophäen in einem Schrank zusammen mit denen des Gesangvereins im Vereinsraum ausstellen. Durch die neuen räumlichen Möglichkeiten beflügelt veranstaltete man im Jahre 70/71 sogar ein Randballturnier auf Bezirksebene. Auch für das Kinderturnen mit Adelheid Scheib und später Loni Schwarz war die Halle natürlich bestens geeignet. Ab 1971 kam noch die Sparte Frauenturnen dazu. Leider wurde aber bereits am 20.4.1969 nach vielerlei Querelen die Motorsportabteilung wieder aufgelöst.

Die Hessentage in Kassel, in Darmstadt und in Bad Hersfeld sahen in dieser Zeit größere Abordnungen des Vereins, die als Gruppen auf bunt geschmückten Rädern an den jeweiligen Festzügen teilnahmen und so den Namen unserer Heimatgemeinde ins ganze weite Hessenland hinaus- trugen.

Als ein Trauertag ging der 3. November 1972 in die Vereinsgeschichte ein, starb doch an diesem Tag der langjährige 2. Vorsitzende des Vereins, Otto Seibert. Otto Seibert war von 1952- 1962 2. Vorsitzender des Vereins und danach bis zu seinem Tode immer Mitglied im Vorstand, und fehlte kaum zu einer Sitzung. Bereits im Jahre 1962 war er nach Heinrich Fink zum 2. Ehrenvorsitzenden des Radfahrervereins „All-Heil“ gewählt worden. Ihm zu Ehren stiftete der Verein einen neuen Wettbewerb, der alljährlich, zunächst in der Sparte Radball ausgetragen wurde, den Otto Seibert-Gedächtnispokal. Seine Kinder ermöglichten dem Verein die Anschaffung eines wertvollen Preises, der erstmals vom Radfahrerverein Langgöns, später mehrfach vom Radfahrerverein Laubach gewonnen wurde.
Nach dem Weggang von Trainer Gitzel wurde die Frage der Übungsleitung meist vereinsintern geregelt, dass heißt, dass einzelne Vorstands- und Vereinsmitglieder sich für diese schwierige Aufgabe zur Verfügung stellten. Als Beispiel hierfür sei Gerhard Seibert erwähnt, der lange Jahre als Fachwart für Kunstradsport nicht nur das Training leitete, sondern auch Wettbewerbe bzw. die Fahrten dorthin organisierte.

Eine kuriose Begebenheit entnahm ich dem Protokoll einer Vorstandssitzung vom 12. Juli 1973, als die Versammlung mitten in der Tagesordnung plötzlich geschlossen werden musste. Grund dafür war: In Hungen brannte das Betriebsgebäude der Moha. Dies zeigt, dass es in einem kleinen Ort wie Inheiden immer noch eine Selbstverständlichkeit ist, daß man Mitglied bei vielen Vereinen (natürlich auch bei der Feuerwehr) ist. Aus dem Jahre 1973 datiert ein stolzer Erfolg der Radballer des Vereins, konnte doch hier die B-Jugend-Mannschaft den Titel eines Bezirkssiegers in Langgöns erringen.

Ab dem Kalenderjahr 1976 erwuchs den drei großen Ortsvereinen mit der Veranstaltung des Inheidener Seefestes eine neue große Aufgabe. Hatte in den Jahren zuvor immer noch die selbständige Gemeinde Inheiden dieses Fest veranstaltet, übertrug man nun angesichts des bevorstehenden zwangsmäßigen Zusammenschlusses mit der Stadt Hungen diese Aufgabe an die Inheidener Ortsvereine, um ihnen für die Zukunft eine wichtige Einnahmequelle zu sichern und sie damit in ihrem Wirken und in ihrer Arbeit zu stärken.

Der 1. Januar 1977 war dann der Tag, an dem aus dem Dorf Inheiden der Stadtteil Hungen-Inheiden wurde, für viele alt eingesessene Inheidener sicher kein Freudentag, doch ist nun einmal, und das hat die Geschichte mannigfaltig bewiesen, die Entwicklung nicht aufzuhalten. Wichtig für uns und unser Dorf ist sicher, dass wir uns das nötige Maß an Eigenständigkeit und Zusammenhalt bewahren, das das Zusammenleben im überschaubaren Rahmen eines kleinen Ortes so angenehm macht.

Der Sportbetrieb im Radfahrerverein lief ungeachtet der Tatsache, dass wir uns nun auch Städter nennen durften, weiter. Gerade in diesem Jahr 1977 konnte mit Christiane Junker eine Aktive des Vereins einen schönen Erfolg verzeichnen. Im Rahmen eines landesoffenen Pokalturniers im Kunstfahren gewann sie den Wanderpokal der Firma Ezetil. Im gleichen Jahr wurden vom Verein für besondere sportliche Leistungen die Aktiven Carmen Wehnhardt, Bärbel Farys, Sabine Dietz, Astrid Engels, Birgit Rupp und Regina Stahr mit je einer Urkunde geehrt. Dass aber auch die Leistungen der Inheidener Sportler über die Vereinsgrenzen hinaus Beachtung und Anerkennung fanden, bewies Regina Stahr, die am 8. Oktober 1977 beim Jugendländervergleichskampf Hessen - Aargau/Schweiz teilnehmen durfte. Auch Tania Wehnhardt vertrat später noch einmal die Inheidener Farben in der Schweiz.

Schöne Erfolge gab es in dieser Zeit auch in einer anderen Sparte. Mit großem Erfolg hatte nämlich der Verein ab dem Jahre 1977 die Ausrichtung von ADAC Fahrrad-Turnieren übernommen. So war es im Jahre 1981 die Schülerin Simone Fink, die das Inheidener Turnier gewann und dann über die Hessenausscheidung in Stierstadt sogar zur Bundesausscheidung gelangte, wo sie einen hervorragenden 10. Platz belegen konnte.

infolge immer mehr nachlassenden Interesses für den Radballsport musste der Verein Im Jahre 1980 diese Sparte vorerst ruhen lassen, ist aber durchaus bereit, diese Sportart wieder ins Vereinsprogramm aufzunehmen, sollten Interessenten vorhanden sein.

Aus dem ursprünglichen Frauenturnen hat sich inzwischen die Damen Gymnastikabteilung entwickelt, die schon bei vielen Veranstaltungen mit ihren sauber einstudierten Tänzen eine Menge Beifall bekam. So sind die sportlichen Damen bisher kaum einmal um eine Zugabe herumgekommen. Sogar beim Hessentag 1980 in Grünberg gehörte diese Gruppe zu den Mitwirkenden und konnte so den Radfahrerverein wieder einmal einem breiteren Publikum vorstellen. Einen weiteren großen Erfolg für die Kunstradabteilung holte Tania Wehnhardt 1982, als sie bei den Hessenmeisterschaften im Einerkunstfahren immerhin den 6. Platz belegte.

Da es bei der Vielzahl von Veranstaltungen und Wettbewerben im Laufe eines Sportjahres des öfteren einmal zu Schwierigkeiten kam, die Aktiven und ihre teueren Sportgeräte zu den Einsatzplätzen zu transportieren, fasste der Vorstand im Jahre 1983 den Entschluss, einen eigenen VW- Bus anzuschaffen, was auch im gleichen Jahr in die Realität umgesetzt wurde. Zusammen mit dem schon vorher angeschafften Anhänger löst dieses Fahrzeug inzwischen alle Transportprobleme für Aktive und Räder.

Als ein weiteres Beispiel für effektive Jugendarbeit im Verein steht die Tatsache, dass seit 1982 sich der Radfahrerverein aktiv bei der Ausgestaltung der Ferienspiele der Stadt beteiligt. Zusammen mit dem befreundeten, Radfahrerverein in Hungen hat man bisher in jedem Jahr einen Programmpunkt dieser Aktion übernommen und hat so mit dazu beigetragen, den in den Sommerferien zuhause bleibenden Kindern ein interessantes und abwechslungsreiches Freizeitangebot zu machen.

Als neuesten Vereinserfolg, was die gesellige Seite betrifft, darf man die seit 1984 mit überwältigen Erfolg durchgeführte Faschingsveranstaltung unter dem Motto ‚Woas e Oarmut“ nennen. Zusammen mit dem Gesangverein und dem Sportverein haben die Aktiven in bisher drei Veranstaltungen gezeigt, dass man auch in einem kleinen Dorf zu großen Leistungen fähig ist.

Auch und gerade der Radfahrerverein, der nun im Mai 1986 sein 75jähriges Vereinsjubiläum festlich begeht, darf als ältester Sporttreibender Verein Inheidens stolz auf die bisher gezeigten Leistungen sein. Nur wer selbst einmal im Vorstand eines Vereins aktiv tätig war, weiß zu ermessen wie viel Mühe und Arbeit doch hinter 75 Jahren erfolgreicher Vereinsarbeit stecken.

Herr Käs schrieb in seinem Schlusswort in der Festschrift von 1961:

„Unermüdliche Arbeit und Vereinstreue der Mitglieder haben den Radfahrerverein „All-Heil“ 1911 trotz der beiden Weltkriege bestehen und groß werden lassen. Wir können im Angesicht unseres 50jährigen Stiftungsfestes stolz auf erfolgreiche Vereinsjahre zurückblicken. Diese Tradition soll uns aber zugleich Verpflichtung sein, das Erreichte in Zukunft zu festigen und auszubauen, für unsere Jugend, für unsere Vereins- und Dorfgemeinschaft und für den deutschen Radsport“.

Auch im Angesicht des nunmehr 75jährigen Jubiläums haben diese Sätze nach wie vor ihre Gültigkeit. Inheiden darf stolz sein auf seinen Radfahrerverein „All-HeiI“ 1911.